Dem Herdentrieb ...

... konnte ich nicht länger widerstehen. Überall sieht man so schöne selbstgesponnene Garn. Da wollte ich einfach ausprobieren, ob ich das auch kann. Ein Spinnrad ist gleich eine größere Investition, aber eine Handspindel gibts schon für wenig Geld. Also habe ich mir für den Anfang je eine Scheiben- und Kreuzspindel von WollKnoll geleistet und dazu noch ein Kilo bunter Wolle.

Spinnen - 1. VersuchNachdem die Bestellung hier eingetroffen war, mußte ich das natürlich gleich ausprobieren. Als theoretisches Rüstzeug habe ich die Anleitungen bei Ulrike Bogdan und Flinkhand durchgelesen.

Beim ersten Versuch kam ich mit dem Ausziehen zunächst überhaupt nicht klar - das waren zusammen mit dem Anschubsen und dem Kontrollieren des Dralls einfach zuviele Handbewegungen, die koordiniert werden mußten. Also habe ich das gesamte Band so zerteilt und verzogen, dass ich es einfach in die Spindel laufen lassen konnte. So ging es dann einigermaßen gut und nach ca. 30 Minuten hatte ich ein bißchen eine Rhythmus gefunden.

Dann war das Stückchen dunkelblau versponnen und es ging ans Zwirnen. Um die Menge komplett zu verzwirnen, habe ich die Anden-Technik ausprobiert - ging recht gut. Allerdings mußte ich feststellen, dass ich in den dicken Teilen viel zu wenig Drall im Garn hatte (ist wohl normal). Naja, insgesamt wurde es allerschönstes Effektgarn, an einigen Stellen siehts auch schon ganz akzeptabel aus.

Insgesamt sind das 24 g und ca. 20 m, damit kommt eine Lauflänge von 80 m / 100 g raus - Lopiwolle ist da ja richtig dünn dagegen. Mal sehen, was ich daraus mache. Es heißt ja immer, man solle seine Anfängerwolle gut aufheben - so dickes Effektgarn kriegt man nie wieder hin.

Spinnen - 2. VersuchDann habe ich gleich den nächsten Versuch gestartet. Diesmal soll es gleich bunt werden - grau, türkis, gelb und lila, jeweils ein Stück verspinnen. Wie ich das dann zwirnen soll, weiß ich noch nicht.

Vom Gefühl würde ich sagen, daß es schon besser wird. Auch klappt mittlerweile das Ausziehen direkt aus dem Band, wenn ich darauf achte, dass das Stück in der linken Hand nicht zu groß wird. Sonst ist nämlich das Risiko, dass sich das Stück mit reinspinnt, ziemlich groß.

Bin schon gespannt, ob das zweite Garn wieder aussieht wie “schwangere Regenwürmer”.

Nachdem ich die Farbfolge zweimal versponnen hatte, lief die Spindel nicht mehr sauber sondern taumelte mehr. Anscheinend sind also ca. 25 g die Maximalmenge, die diese Spindel sauber verkraftet.

Spinnen - 2. VersuchDa ich ja eine schöne Farbfolge versponnen hatte, wollte ich mal Navajo-Zwirnung probieren. Aber das ist beim ersten Versuch im absoluten Chaos geendet und ich bin doch wieder zur Anden-Zwirnung zurückgekehrt. Spinnen - 2. Versuch, DetailDadurch ist es natürlich zu recht lustigen Farbvermischungen gekommen. Aber insgesamt gefällt mir das Ergebnis schon recht gut. Es sind zwar noch einige dicke, und dadurch nahezu unversponnene Stellen drinnen, aber insgesamt ist es schon ein recht gleichmäßiges Bild für einen zweiten Versuch. Die Lauflänge dürfte bei ca. 140 m / 100 g liegen. Nach dem Waschen ist es noch ein bißchen aufgeflufft und insgesamt sehr weich geworden.

Das will ich jetzt auf jeden Fall verstricken - ich weiß nur noch nicht, was es werden soll, sind ja nur 25 g.

Lazy Kate für AnfängerWährend des Verzwirnens von meinem 2. Versuch kam mir plötzlich eine Idee, wie ich die Navajo-Zwirnung hinbekommen könnte, ohne dass mir mindestens das 2. Paar Hände fehlt. Manchmal hats einfach einen Vorteil, wenn man kleine Kinder hat ...

Die Legosteine ergeben eine prima Lazy Kate für eine Spindel. So klappts auch mit der Häkelei - zwei Hände frei, der Einzelfaden läuft schön von der Spindel und aufwickeln klappt auch weitgehend mit einer Hand. Nur mit der Kreuzspindel stehe ich etwas auf Kriegsfuß, wie man sieht. Eigentlich sollte das Garn ja immer um die kreuzförmigen Stäbe gewickelt werden und dann einen Center-Pull-Ball ergeben, aber das hat nicht so wirklich geklappt.

Spinnen - 3. Versuch - NavajozwirnungNachdem das Problem der fehlenden Hände gelöst war, konnte ich unbeschwert “loshäkeln”. Die Idee hinter der Navajozwirnung finde ich wirklich gut und die Möglichkeit, sich seine eigenen “gestreiften” Garne herzustellen noch viel besser.

Wirklich zufrieden mit dem Ergebnis bin ich aber noch nicht. Vielleicht lags daran, dass das Garn etwas ungleichmäßiger gesponnen oder zu stark versponnen war - keine Ahnung. Jedenfalls hat sich der Strang nach dem Verzwirnen noch total in sich gedreht. Ein zweiter Durchgang hat es zwar deutlich verbessert. Ich glaube, da muß ich noch einiges rumexperimentieren, bis mir das Ergebnis wirklich gut gefällt.

Das Ganze sind übrigens 12 g mit einer Lauflänge von ca. 100 m / 100 g.

Spinnen - 4. VersuchDer nächste Versuch fand mit zwei Farben statt - zwei von meinen Lieblingstönen jeweils einzeln versponnen und dann gemeinsam verzwirnt.

Diesmal habe ich versucht, mich auf das Faserdreieck zu konzentrieren. Das Ergebnis war, dass ich deutlich dicker und ungleichmäßiger gesponnen habe, als bei den vorherigen Versuchen. Ich habe es einfach nicht geschafft, die Fasern so dünn auszuziehen. Kommt davon, wenn man es unbedingt 100% richtig machen will - der intuitive Zugang ist manchmal einfach besser.

Spinnen - 4. Versuch - DetailDer aufgewickelte Strang täuscht ein deutlich gleichmäßigeres Garn vor - auf dem Detailbild kann man dann doch erkennen, dass einige reichlich dicke Stellen drinnen sind.

Aber immerhin ist das jetzt mal eine Menge, mit der sich etwas anfangen lässt - etwas mehr als 50 g, das Ganze mit einer Lauflänge von ca. 110 m / 100g. Damit ist es in der Größenordnung von Lopi-Garn, aber mir kommt es irgendwie deutlich dünner vor. Hm.

Dafür hat Töchterchen schon Bedarf an dem Garn angemeldet - sie möchte eine Mütze daraus haben. Die junge Dame liebt Kopfbedeckungen aller Art. Also Maschenprobe stricken und eine geeignete Anleitung raussuchen.

Das geht ja schon früh los, dass mir mein Garn abspenstig gemacht wird ...

Spinnen - 5. VersuchNach dem ersten Erfolgserlebnis mit brauchbarem Garn (vor allem auch, was die Menge angeht), hat mich der Ehrgeiz gepackt - ein bunter Schal soll her. Bunt soll in dem Fall heißen, gestreift oder so ähnlich. Nach langem Wühlen in den vielen Farben (ich hab doch so ein Problem, mich für eine Farbkombi zu entscheiden) habe ich mich für 5 Töne entschieden: rot, gelb, blau, grün und lila.

Spinnen - 5. Versuch - DetailUm die Farbfolgen zu erhalten, habe ich mich dazu entschieden, es wieder mit der Navajozwirnung zu versuchen. Nach einigem rumexperimentieren habe ich rausgefunden, dass es dabei auch bei “frischem” Garn nicht reicht, einfach die Spindel auslaufen zu lassen, sondern dass ich ein bißchen zusätzlichen Drall erzeugen muß. Es ist allerdings ganz einfach rauszufinden, wann die Zwirnung “gut” ist - nämlich dann, wenn sich das fertige Garn nicht mehr selber in sich verdreht, sobald es ohne Spannung ist. Wieder was gelernt.

Nachdem ich Anfangs erneut versucht habe, beim Auszug unbedingt ein schönes Faserdreieck zu erhalten, habe ich nach kurzer Zeit beschlossen, dass das Spinnergebnis wichtiger ist, als ein lehrbuchmäßige Vorgehensweise. Und schon ging alles wieder deutlich besser, z.T. bin ich sogar richtig beeindruckt, wie gut alles geworden ist - auf dem Detailbild kann man das glaube ich ganz gut erkennen.

Das nächste Ziel muß es jetzt sein, diese Optimalstellen auszudehnen auf den größten Teil meiner Spinnerei. Also heißt es weiterhin fleißig üben, üben, üben ...

Insgesamt sind das bisher 30 g mit einer Lauflänge von ca. 120 m / 100 g.

Spinnen - Versuch 6Bei meinen Versuchen bisher habe ich festgestellt, dass die größte Herausforderung ist, über einen längeren Zeitraum und mehrere Durchgänge hinweg, ein gleichmäßiges Garn zu produzieren.

Deshalb werde ich vorerst einfach die diversen Pröbchen nach und nach verspindeln und zweifach verzwirnen. Auf diese Weise hoffe ich darauf, dass ich mehr Routine und Gleichmäßigkeit in die Spinnerei zu bekommen.

Dass sich unterschiedliche Farben ganz unterschiedlich gut verarbeiten lassen, lässt sich dabei immer wieder feststellen.

Bei diesen beiden Versuchen ist jeweils eine Lauflänge von gut 150 m / 50 g herausgekommen. Damit liege ich in meinem bevorzugten Bereich, nämlich Nadelstärke 3 - 4.

Für die weitere Verwendung dieser ganzen Mini-Stränge (sind jeweils 20 - 25 g) habe ich noch überhaupt keine Idee - schlimmstenfalls wird es eine quietschbunte Filztasche.

 

Spinnen

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letzte Änderung: 26 Dezember, 2005